{"id":74,"date":"2019-04-14T14:54:54","date_gmt":"2019-04-14T14:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/rokoko.net\/?page_id=74"},"modified":"2019-04-14T14:54:54","modified_gmt":"2019-04-14T14:54:54","slug":"adb-schlieffen-martin-ernst-von","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/rokoko.net\/?page_id=74","title":{"rendered":"ADB: Schlieffen, Martin Ernst von"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schlieffen: Martin Ernst v. S. <\/strong>wurde am 30. October 1732 zu Pudenzig bei Gollnow in Pommern geboren. Seine Eltern waren Hans Michael v. S. und Anna Helena v. Petersdorff. Schon 1745 kam er in das v. Bredow\u2019sche Garnisonregiment (\u201eBesatzungs-Schaarheit\u201c) in Berlin, das v. M\u00fcnchow befehligte, das aber bald in kleine Garnisonen (Eberswalde, Bernau, Tcmplin) verlegt wurde. Von eifrigem Streben nach Fortbildung durchdrungen, widmete sich S. in diesen Jahren einf\u00f6rmigen Garnisonlebens flei\u00dfig der Lect\u00fcre. Nach 4 Jahren wurde er zur Garde nach Potsdam versetzt und dem K\u00f6nig Friedrich II. vorgestellt. Hier lernte er mit gro\u00dfem Eifer mehrere fremde Sprachen und zwar auf sich selbst angewiesen, da er nicht die Mittel hatte, um Lehrer zu bezahlen. 23 Jahre alt erkrankte er an Engbr\u00fcstigkeit und mit Fieber verbundenen Lungengeschw\u00fcren, so da\u00df er zur Erholung zu Verwandten auf das Land ziehen mu\u00dfte. Als aber der achtw\u00f6chentliche Urlaub verl\u00e4ngert werden sollte, erhielt er statt dessen v\u00f6llig unerwartet den Abschied. Nach seiner Genesung im J. 1757 eilte er nach Loschwitz<a href=\"file:\/\/\/D:\/Eigene%20Webs\/Barock\/schlieffen.htm#cite_note-ZuB-33-1-1\">[1]<\/a> bei Dresden, um sich dem K\u00f6nige wieder vorzustellen, dieser aber rief dem Hoffnungsfreudigen die Worte zu: \u201eHerr, Er ist ja noch krank\u201c, und es blieb bei der Verabschiedung. S. fand nun eine Officierstelle im Regiment des Prinzen v. Isenburg und trat dann in Hessische Dienste \u00fcber, wo er 1757 noch F\u00e4hnrich, in den 6 Jahren bis 1763 bis zum General vorr\u00fcckte und w\u00e4hrend dieser Kriegsjahre stets in h\u00f6heren Adjutantenstellen, namentlich beim Herzog Ferdinand v. Braunschweig, verwendet (als \u201eFeldhandbieter\u2019 oder \u201eSchaardienstbesteller\u201c, wie er selbst sagt) sehr ersprie\u00dfliche Dienste leistete. Im J. 1772 vom Landgrafen Friedrich II. zum Generallieutenant und Staatsminister ernannt, ward er der erste und einflu\u00dfreichste Berather der Landgrafen Friedrich II. und Wilhelm IX., welche er auch auf zahlreichen Reisen durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz begleitete. Eine derselben, nach Mannheim, hatte den Zweck, den Pfalzgrafen dem Gedanken eines F\u00fcrstenbundes geneigt zu machen, den S. nach dem siebenj\u00e4hrigen Kriege zu schlie\u00dfen plante. Dieser sch\u00f6pferische und staatsm\u00e4nnische Gedanke des hessischen Ministers kam zwar damals nicht zur Reife und der F\u00fcrstenbund nicht zum Abschlu\u00df, immerhin aber darf mit v. Schlieffen\u2019s Namen dauernd das r\u00fchmliche Andenken verbunden werden, da\u00df er der erste gewesen, der den Gedanken zu einem Bunde der deutschen F\u00fcrsten gefa\u00dft hat. 1776 w\u00e4hrend des Transportes hessischer Truppen nach Amerika war er als Gesandter in London th\u00e4tig (als Oberfeldherr-Gesch\u00e4ftf\u00fchrer\u201c). Im J. 1789 sah sich S. zum R\u00fccktritt aus hessischen Diensten veranla\u00dft und er trat im April in preu\u00dfische Dienste \u00fcber, da er das Wohlwollen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm\u2019s II., der ihn im J. 1788 in Berlin kennen gelernt hatte, besa\u00df. Als preu\u00dfischer Generallieutenant wurde er Gouverneur von Wesel und bald darauf erhielt er den Schwarzen Adlerorden. Noch in demselben Jahre wurde er zu einer diplomatischen Mission nach Holland und England verwendet, um mit beiden H\u00f6fen die Defension von Holland, wie auch die in Ansehung der brabantischen Unruhen von den drei alliirten M\u00e4chten zu nehmenden Ma\u00dfregeln zu vereinbaren. Auch in den beiden folgenden Jahren erhielt er besondere Auftr\u00e4ge, 1790 milit\u00e4risch-diplomatische gelegentlich der Vorf\u00e4lle <span id=\"Seite_517\"> [517]<\/span> in Belgien und dem Bisthum L\u00fcttich, in das er als Oberbefehlshaber der preu\u00dfischen Truppen einr\u00fcckte, und 1791, als er die B\u00e4der in Hofgeismar und sein Gut Windhausen besuchte, hatte er Auftr\u00e4ge an den Landgrafen von Hessen. Von allen diesen Missionen liegen viele ausf\u00fchrliche franz\u00f6sisch geschriebene Correspondenzen vor. Als er dann im J. 1792 den Abschied nahm, zog er sich nach seinem hessischen Gute Windhausen zur\u00fcck, lebte auch hie und da auf seinen mecklenburgischen Besitzungen. Von seinem bedeutenden Allodialverm\u00f6gen und den G\u00fctern Windhausen in Hessen, Schlieffenberg, Nieglew, Tolzin und Zierhagen im Schwerinschen stiftete er ein Majorat. In seiner Mu\u00dfe lebte er ganz den Wissenschaften, denen er auch fr\u00fcher schon einen gro\u00dfen Theil seines th\u00e4tigen Lebens gewidmet hatte, wovon zahlreiche Schriften, die ihm auch die Ernennung zum Mitgliede der k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin einbrachten, Kunde geben. Am bedeutendsten ist das 1784 in zweiter Ausgabe erschienene Buch \u201eNachricht von einigen H\u00e4usern der Geschlechter der v. Schlieffen oder Schlieben, vor Alters Sliwin oder Sliwingen\u201c. Kassel 1784, Quart, 472 Seiten und 200 Seiten urkundl. Beilagen, eine vorz\u00fcgliche Familiengeschichte, von der ein gro\u00dfer Abschnitt (S. 5\u2013158) mit dem Titel \u201eVon der Beschaffenheit des deutschen Adels in alten und mittleren Zeiten\u201c eine ausgezeichnete Abhandlung \u00fcber die Geschichte des Adels enth\u00e4lt. In hohem Alter schlo\u00df er noch dasjenige Werk ab, welches uns \u00fcber sein Leben die ausf\u00fchrlichste Kunde gibt; es ist nur f\u00fcr die Familie geschrieben und nicht im Handel, erst nach seinem Tode gedruckt und f\u00fchrt den Titel: \u201eEinige Betreffnisse und Erlebungen M. E.\u2019s v. Schlieffen\u201c. Berlin 1830 (G. Reimer), 756 Seiten in Quart mit 334 Actenst\u00fccken zur Geschichte seines Lebens und seiner Zeit, ein h\u00f6chst werthvolles Buch, welches aber durch die sonderbare Deutschth\u00fcmelei im Stil, wovon wir oben einige Proben gaben, schwer lesbar ist. Es reicht \u00fcbrigens nur bis 1793.<a href=\"file:\/\/\/D:\/Eigene%20Webs\/Barock\/schlieffen.htm#cite_note-ZuB-33-3-2\">[2]<\/a> Ein Verzeichni\u00df seiner \u00fcbrigen Schriften steht im Neuen Nekrolog der Deutschen 1825 und bei Zedlitz. Bis in sein h\u00f6chstes Alter hinein erfreute er sich gro\u00dfer R\u00fcstigkeit, trotz (oder wegen?) seiner sehr eigenth\u00fcmlichen Lebensweise: er band sich n\u00e4mlich nicht an Zeit und Stunde, sondern legte sich zu Bett, wenn er schl\u00e4frig war, sp\u00e4t oder fr\u00fch; sobald er erwachte, einerlei wann, stand er sogleich auf und widmete sich mit jugendlicher Kraft seinen Arbeiten. Erst am 15. September 1825 endete der Tod das reiche Leben des einsamen 93j\u00e4hrigen Greises zu Windhausen, wo er in dem selbst erbauten Erbbegr\u00e4bni\u00df beigesetzt wurde.<\/p>\n<dl>\n<dd>Dohm, Denkw\u00fcrdigkeiten III, 54 ff. \u2013 Neuer Nekrolog der Deutschen, 1825, S. 1527 ff. \u2013 v. Zedlitz, Pantheon des Preu\u00df. Heeres II, 7 ff. \u2013 (K\u00f6nig) Biograph. Lexikon u.s.w. III, 382. \u2013 Akten des K. Geheimen Staats-Archives.<a href=\"file:\/\/\/D:\/Eigene%20Webs\/Barock\/schlieffen.htm#cite_note-ZuB-33-2-3\">[3]<\/a><\/dd>\n<\/dl>\n<div>Ernst Friedlaender.<\/div>\n<div><\/div>\n<p><strong> <span id=\".5BZus.C3.A4tze_und_Berichtigungen.5D\"> Zus\u00e4tze und Berichtigungen<\/span><\/strong><\/p>\n<ol>\n<li id=\"cite_note-ZuB-33-1-1\"><a href=\"file:\/\/\/D:\/Eigene%20Webs\/Barock\/schlieffen.htm#cite_ref-ZuB-33-1_1-0\">\u2191<\/a> S. 516. Z. 23 v. o. l.: Lockwitz. [Bd. 33, S. 799].<\/li>\n<li id=\"cite_note-ZuB-33-3-2\"><a href=\"file:\/\/\/D:\/Eigene%20Webs\/Barock\/schlieffen.htm#cite_ref-ZuB-33-3_2-0\">\u2191<\/a> S. 517. Z. 27 v. u. zuzuf\u00fcgen: Es gibt auch noch einen zweiten Band der Betreffnisse, welcher 1840 bei G. Reimer erschienen ist und die Jahre 1794\u20131799, Bruchst\u00fccke von 1800\u20131801, dann wieder 1805\u20131815 und Anh\u00e4nge umfa\u00dft. Die Jahre 1802\u20131804 sind ganz verloren. Der Band z\u00e4hlt von S. 757\u20131278. [Bd. 33, S. 799].<\/li>\n<li id=\"cite_note-ZuB-33-2-3\"><a href=\"file:\/\/\/D:\/Eigene%20Webs\/Barock\/schlieffen.htm#cite_ref-ZuB-33-2_3-0\">\u2191<\/a> S. 517. Z. 15 v. u. hinzuzuf\u00fcgen: F. Kapp, Der Soldatenhandel Deutscher F\u00fcrsten nach Amerika. Berlin 1874. [Bd. 33, S. 799].<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlieffen: Martin Ernst v. S. wurde am 30. October 1732 zu Pudenzig bei Gollnow in Pommern geboren. Seine Eltern waren Hans Michael v. S. und Anna Helena v. Petersdorff. Schon 1745 kam er in das v. Bredow\u2019sche Garnisonregiment (\u201eBesatzungs-Schaarheit\u201c) in Berlin, das v. 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